Krakau
Krakau – die Königsstadt und einer der schönsten Orte Polens
Krakau ist eine dieser Städte, deren Bedeutung sich nicht ausschließlich an der Zahl ihrer Sehenswürdigkeiten oder ihrer Beliebtheit bei Touristen messen lässt. Die ehemalige Hauptstadt Polens, der Ort der Königskrönungen, eines der wichtigsten Zentren für Wissenschaft und Kultur in Mitteleuropa sowie eine Stadt, deren historisches Zentrum eine außergewöhnliche räumliche und architektonische Kontinuität bewahrt hat. Wawel, der Hauptmarkt, Kazimierz, die Planty oder die mittelalterlichen Straßen der Altstadt bilden eine Landschaft, die weit über die Landesgrenzen hinaus bekannt ist.
Krakau liegt an der Weichsel im Süden Polens und ist die Hauptstadt der Woiwodschaft Kleinpolen. Heute gehört die Stadt zu den größten polnischen Städten, doch ihre Bedeutung geht deutlich über administrative oder wirtschaftliche Funktionen hinaus. Krakau bleibt eines der wichtigsten akademischen, kulturellen und touristischen Zentren des Landes, und seine Geschichte ist untrennbar mit der Geschichte des polnischen Staates verbunden.
Die Stadt ist außerdem außerordentlich vielfältig. Hier kann man die mittelalterliche Geschichte Polens kennenlernen, die Renaissancegemächer der Könige besichtigen, auf den Spuren der jüdischen Gemeinschaft wandeln, die Architektur der sozialistischen Planstadt Nowa Huta entdecken, an der Weichsel entspannen oder das Stadtpanorama von einem der Krakauer Hügel aus betrachten. Gerade diese Vielfalt macht es unmöglich, Krakau auf einige wenige beliebte Sehenswürdigkeiten zu reduzieren.

Krakau – die ehemalige Hauptstadt Polens
Die Geschichte Krakaus reicht deutlich weiter zurück als die Anfänge des polnischen Staates. Siedlungsspuren auf dem Gebiet der heutigen Stadt stammen aus prähistorischer Zeit, während die erste bekannte schriftliche Erwähnung Krakaus im Bericht des Ibrahim ibn Jakub aus dem 10. Jahrhundert erschien.
Nach der Eingliederung Kleinpolens in den Staat der Piasten entwickelte sich Krakau rasch zu einem seiner wichtigsten politischen Zentren. Besondere Bedeutung erlangte die Stadt nach der Zeit der Teilfürstentümer. Im Jahr 1320 wurde Władysław Łokietek in der Wawelkathedrale gekrönt, und der Wawel wurde zum wichtigsten Krönungsort der folgenden polnischen Monarchen.
In den folgenden Jahrhunderten blieb Krakau das Zentrum des politischen und kulturellen Lebens des Staates. Die Zeit der letzten Piasten und der Jagiellonen gehörte zu den glänzendsten Perioden in der Geschichte der Stadt. Auf dem Wawel residierten die Könige, rund um den Hauptmarkt entwickelte sich der Handel, und Kaufleute, Künstler und Gelehrte aus verschiedenen Teilen Europas kamen in die Stadt.
Obwohl der königliche Hof im 17. Jahrhundert dauerhaft nach Warschau verlegt wurde, verlor Krakau seine symbolische Bedeutung nie. Der Wawel blieb die Nekropole der polnischen Monarchen und ein besonders wichtiger Ort der nationalen Geschichte.
Der Hauptmarkt – seit dem Mittelalter das Herz der Stadt
Zu den wichtigsten Momenten in der Entwicklung Krakaus gehörte die Gründung der Stadt nach Magdeburger Recht im Jahr 1257 durch Fürst Bolesław Wstydliwy. Damals wurde ein regelmäßiges Straßennetz angelegt sowie der riesige Hauptmarkt, der bis heute das Zentrum des historischen Krakaus bildet.
Den Marktplatz umgeben Bürgerhäuser aus verschiedenen architektonischen Epochen. Seine charakteristischsten Bauwerke sind die Tuchhallen, die Marienbasilika und der Rathausturm. Nur wenige Gehminuten trennen den Hauptmarkt vom Wawel, vom Florianstor, vom Barbakan und von den Planty.
Der mittelalterliche Stadtgrundriss ist bis heute deutlich erkennbar. Wer durch die Floriańska-, Grodzka- oder Kanonicza-Straße spaziert, kann die aufeinanderfolgenden Entwicklungsphasen der einstigen Königsstadt unmittelbar kennenlernen.
Krakau auf der UNESCO-Welterbeliste
Die Bedeutung des historischen Krakaus wurde bereits 1978 international gewürdigt, als das historische Stadtzentrum in die erste UNESCO-Welterbeliste aufgenommen wurde.
Der Eintrag umfasst die mittelalterliche Altstadt, den Wawelhügel sowie Kazimierz mit Stradom. Das ist besonders wichtig, weil es zeigt, dass der Wert Krakaus nicht auf einzelne Baudenkmäler beschränkt ist. Geschützt wird die gesamte historische Stadtstruktur mit Orten, die verschiedene Epochen und Kulturen repräsentieren.
Krakau gehörte damit zu der ersten Gruppe von nur wenigen Dutzend Orten weltweit, die in die UNESCO-Liste aufgenommen wurden. Im selben Jahr wurde auch das nahe gelegene Salzbergwerk Wieliczka eingetragen.
Der Wawel – Symbol der polnischen Staatlichkeit
Über der Weichsel erhebt sich der Wawelhügel, der jahrhundertelang das Zentrum der weltlichen und kirchlichen Macht bildete. Hier befinden sich das Königsschloss sowie die Kathedrale der heiligen Stanislaus und Wenzeslaus.
In der Kathedrale wurden die polnischen Monarchen gekrönt. Ihre Krypten wurden zur letzten Ruhestätte von Königen, Nationalhelden und bedeutenden Persönlichkeiten der polnischen Geschichte. Das Königsschloss wiederum zeugt von vielen Jahrhunderten der Entwicklung von Architektur und Kunst – vom Mittelalter bis zur Renaissance.
Der Wawel ist jedoch nicht nur ein Baudenkmal. In der polnischen Kultur bleibt er einer der wichtigsten symbolischen Orte, verbunden mit der Geschichte des Staates, der Monarchie und der nationalen Identität.
Das akademische Krakau – mehr als sechs Jahrhunderte Tradition
Die Gründung der Akademie von Krakau im Jahr 1364 auf Initiative Kasimirs des Großen hatte großen Einfluss auf die Entwicklung der Stadt. Die Hochschule wurde später unter Władysław Jagiełło dank einer Stiftung der Königin Jadwiga erneuert und entwickelte sich mit der Zeit zur heutigen Jagiellonen-Universität.
Hier studierte unter anderem Nikolaus Kopernikus, und in den folgenden Jahrhunderten zog Krakau Gelehrte, Künstler und Intellektuelle an.
Der akademische Charakter der Stadt ist auch heute sichtbar. Die zahlreichen Hochschulen und Studierenden machen Krakau nicht zu einem Freilichtmuseum des alten Polen, sondern zu einer lebendigen Stadt, in der eine jahrhundertealte Tradition neben der Moderne besteht.
Kazimierz – eine Stadt vieler Kulturen
Eines der faszinierendsten Gebiete Krakaus ist Kazimierz, das im 14. Jahrhundert von Kasimir dem Großen als eigenständige Stadt gegründet wurde. Über Jahrhunderte entwickelten sich hier christliche und jüdische Traditionen nebeneinander.
Bis heute sind historische Synagogen, Friedhöfe, Kirchen und der historische Straßenverlauf erhalten. Besonders wichtig ist die Umgebung der Szeroka-Straße, einer der bedeutendsten Orte des jüdischen Erbes von Krakau.
Das heutige Kazimierz ist zugleich einer der lebendigsten Stadtteile Krakaus – voller Restaurants, Cafés, Galerien und kleiner Lokale. Die Geschichte ist hier nicht hinter einer Museumsvitrine eingeschlossen, sondern bleibt Teil des alltäglichen Stadtbildes.
Krakau ist viel mehr als die Altstadt
Einer der größten Fehler beim ersten Besuch besteht darin, die Besichtigung ausschließlich auf den Hauptmarkt und den Wawel zu beschränken. Die bekanntesten Sehenswürdigkeiten sind selbstverständlich unverzichtbar, doch erst der Weg aus dem unmittelbaren Zentrum zeigt die wahre Vielfalt der Stadt.
Auf der anderen Seite der Weichsel liegt Podgórze, dessen Geschichte sowohl die Entwicklung einer unabhängigen Stadt im 19. Jahrhundert als auch die tragischen Ereignisse der deutschen Besatzung umfasst. Nicht weit entfernt liegt Zabłocie mit ehemaligen Industrieflächen, die in Kulturstätten und moderne Bebauung umgewandelt werden.
Ein ganz anderes Gesicht zeigt Nowa Huta, das nach dem Zweiten Weltkrieg als neue Stadt neben einem großen metallurgischen Kombinat geplant wurde. Monumentale Architektur, breite Alleen und der charakteristische Stadtgrundriss machen den Stadtteil zu einem der interessantesten städtebaulichen Ensembles des Nachkriegspolens.
Dazu kommen Zakrzówek, die Błonia, der Wolski-Wald, Bielany, Tyniec, die Krakauer Hügel und die Boulevards an der Weichsel. Krakau kann sich somit innerhalb eines Tages von einer Stadt königlicher Baudenkmäler in einen Ort aktiver Erholung und des Naturerlebnisses verwandeln.
Eine Stadt der Kultur und Museen
Krakau verfügt über ein außerordentlich vielfältiges Museumsangebot. Das Königsschloss auf dem Wawel, das Nationalmuseum, das Krakauer Museum, die unterirdische Ausstellung unter dem Hauptmarkt, die Emaillefabrik von Oskar Schindler und das Czartoryski-Museum ermöglichen es, die Geschichte der Stadt und Polens aus sehr unterschiedlichen Perspektiven kennenzulernen.
Eines der wertvollsten Werke in Krakau ist „Dame mit Hermelin“ von Leonardo da Vinci, die im Czartoryski-Museum präsentiert wird.
Seit Jahrzehnten ist die Stadt außerdem ein bedeutendes Zentrum für Theater, Musik, Literatur und zeitgenössische Kunst. Im Jahr 2000 war Krakau eine der Europäischen Kulturhauptstädte, und 2013 erhielt die Stadt den Titel UNESCO-Literaturstadt.
Krakau das ganze Jahr über
Krakau ist kein ausschließlich saisonales Reiseziel. Im Frühling und Herbst eignet sich die Stadt besonders gut für lange Spaziergänge. Im Sommer verlagert sich das Leben auch an die Boulevards an der Weichsel, auf die Błonia und in die Grünanlagen. Im Winter schaffen der Hauptmarkt, die weihnachtliche Beleuchtung und der Weihnachtsmarkt eine völlig andere Atmosphäre.
Die große Zahl an Museen ermöglicht es außerdem, die Stadt auch bei schlechtem Wetter problemlos zu besichtigen. Das ist ein wichtiger Vorteil Krakaus gegenüber vielen Reisezielen, die vor allem auf Erholung im Freien ausgerichtet sind.
Wie viel Zeit braucht man für Krakau?
Die wichtigsten Orte der Altstadt und des Wawels kann man an einem intensiven Tag sehen, doch ein solcher Aufenthalt vermittelt nur einen oberflächlichen Eindruck von Krakau. Für den ersten Besuch sollte man mindestens 2–3 Tage einplanen.
Ein Wochenende reicht aus, um die Altstadt, den Wawel und Kazimierz zu sehen und einige zusätzliche Sehenswürdigkeiten auszuwählen. Bei einem Aufenthalt von 4–5 Tagen kann man Podgórze, Nowa Huta, Museen und Grünanlagen in Ruhe kennenlernen und außerdem einen Ausflug nach Wieliczka oder in den Nationalpark Ojców planen.
Krakau eignet sich daher besonders gut für einen Städtetrip, doch man kann hier ebenso gut eine ganze Woche verbringen und jeden Tag ein anderes Gesicht der Stadt entdecken.
Warum ist Krakau einzigartig?
Der größte Wert Krakaus liegt in der außergewöhnlichen Konzentration von Geschichte, Architektur, Kultur und städtischem Leben. Nur wenige Orte in Polen ermöglichen es, bei einem einzigen Spaziergang von mittelalterlichen Mauern und gotischen Kirchen über eine Renaissance-Residenz der Könige bis zu ehemaligen jüdischen Vierteln, der Bebauung des 19. Jahrhunderts und modernen Kulturstätten zu gelangen.
Krakau ist zugleich monumental und intim. Man kann die repräsentativen Innenräume des Wawels bewundern und wenige Minuten später eine kleine Gasse, einen Innenhof oder ein Café finden, dessen Atmosphäre weit von den größten Sehenswürdigkeiten entfernt ist.
Deshalb sollte man Krakau nicht ausschließlich nach einer Liste von Sehenswürdigkeiten besichtigen. Am besten lernt man die Stadt nach Stadtteilen, Geschichten und ihren aufeinanderfolgenden Schichten kennen. Der Hauptmarkt und der Wawel sind der Beginn der Reise, nicht ihr Ende.
Krakau kompakt
| Information | Krakau |
|---|---|
| Woiwodschaft | Kleinpolen |
| Fluss | Weichsel |
| Stadtgründung | 1257 |
| Akademie von Krakau | 1364 |
| UNESCO | seit 1978 |
| Wichtigstes Baudenkmal | Wawelhügel |
| Herz der Stadt | Hauptmarkt |
| Historische Stadtteile | Altstadt, Kazimierz, Podgórze |
| Ein anderes Gesicht Krakaus | Nowa Huta |
| Für den ersten Besuch | am besten 2–3 Tage |
Unsere Empfehlung: Versuche bei deinem ersten Aufenthalt nicht, ganz Krakau an einem Tag zu sehen. Den ersten Tag sollte man der Altstadt und dem Wawel widmen, den zweiten Kazimierz und Podgórze, den dritten Museen, Nowa Huta oder weniger bekannten Orten. So wird Krakau nicht nur zu einer Sammlung berühmter Sehenswürdigkeiten, sondern beginnt, seine eigene Geschichte zu erzählen.

