Deutsch Spisz für jeden [#14] - Legenden der Pieninen
Legenden der Pieniny
Seit Jahrhunderten versuchen die Menschen, die Welt um sich herum sowie ihre Phänomene zu erklären. So entstanden die von Generation zu Generation weitergegebenen Legenden und Überlieferungen. Die geheimnisvollen Bergregionen haben eine Vielzahl von mehr oder weniger bekannten Geschichten zu bieten. Nicht anders ist es mit den Gipfeln der Pieninen und ihrer Umgebung. Jeder kleinste Stein in Spisz verbirgt laut Legende eine Schatzkiste mit Gold, jeder wurde einst von dem Teufel besucht, und bis heute wandeln Geister der Hirten nachts umher. Im Folgenden findet ihr einige der interessantesten Legenden, die mit kultigen Orten auf der Karte von Spisz verbunden sind.
Wunderbarer Nebel
Auf dem Weg von den Drei Kronen zu den Sokolice passieren die Touristen den Schlossberg, auf dem sich die Ruinen der Pieninburg befinden. Diese Bauwerke entstanden im 13. Jahrhundert und waren ein Zufluchtsort für die heilige Kinga
und die Nonnen aus dem Kloster in Stary Sącz. Einer Legende nach suchten sie dort vor den Tataren Zuflucht, deren Truppen eine bedeutende Überlegenheit hatten. Die heilige Kinga erhob ihre Gebete an Gott um Hilfe und vollbrachte ein Wunder. Die gesamte Burg wurde von einem sehr dichten Nebel umhüllt, die Tataren konnten nichts sehen, fielen von den steilen Felsen und schossen mit ihren Pfeilen aufeinander, schließlich flohen sie voller Schrecken. Bis heute können wir in den Ruinen die Grotte der Heiligen Kinga finden.
Das Schicksal der Menschen
Das Dubantowska Tal, das auf dem Weg von Jaworki zur Wysoka durch die Klamm Homole liegt, hat ebenfalls eine kleine Legende. Während sie auf dem grünen Wanderweg rasten, wählen die Touristen oft die charakteristischen flachen Steine – die Steinbücher. Laut alten Überlieferungen ist darin das Schicksal der Menschheit geschrieben, das niemand lesen konnte, niemand war weise genug. Erst ein alter Priester aus Wielki Lipnik wagte sich, sie zu lesen, aber er wurde dafür bestraft – Gott wollte nicht, dass die Menschen ihr Schicksal erfahren, und nahm ihm das Wort.
Der fliegende Mönch
Eine der bekanntesten Legenden aus Spisz ist mit dem Roten Kloster verbunden und erzählt
von einem fliegenden Mönch. Es handelt sich um Bruder Cyprian, der im Kloster als Apotheker, Arzt und Wundarzt tätig war. Als ein Mann mit vielen Talenten pflegte er selbst den Klostergarten und baute Kräuter an, aus denen er Medikamente herstellte. Am bekanntesten ist er jedoch durch die Geschichte der fliegenden Maschine, die er konstruiert hatte. Die Legenden erzählen unterschiedlich, dass er dank mechanischer Flügel vom Gipfel der Drei Kronen in den Klostervorhof geflogen ist, nach einer anderen Version kam er vom Gipfel bis über den Morskie Oko, wo er in den allen bekannten Felsen, dem Mönch, verwandelt wurde.
Der Räuber-Sprung
Die Floßfahrt durch die Dunajec-Schlucht ist eine der häufigsten touristischen Attraktionen der Pieninen.
Mit dem Fluss ist die Legende des berühmtesten Räubers – Janosik – verbunden. Die Dunajec-Schlucht, die weitläufig ist, hat einen Ort, an dem sie nur 12 Meter breit ist. Die Touristen kennen sie unter dem Namen Janosik-Sprung und die nahegelegenen Felsen als Räuber-Felsen. Laut der spiskischen Legende sprang Janosik an dieser Stelle, während er nachts vor den Hajdukis floh, über die Dunajec. Außerdem, als der Morgen anbrach, sahen die Verfolger die Spur der Räuberschuhe. Die Legenden besagen, dass Janosik an diesem Ort die Sprungprüfung für die Freiwilligen seiner Räuberbande abgenommen hat.
Diese und andere Legenden könnt ihr im Buch „Legenden der Pieniny“ finden, das von Urszula Janicka-Krzywda geschrieben wurde.
Autorin der Bilder und des Textes: Ewa Bandyk









