Polnisch Spisz für alle [#05] - Dursztyn
Dursztyn ist eine der am wenigsten bekannten Orte des polnischen Spisza. Kaum jemand hat von ihm gehört. Was könnte er auch faszinierend machen? Weniger als 500 Einwohner, keine historischen Denkmäler. Selbst die Kirche ist relativ neu, aus den 90er Jahren des letzten Jahrhunderts. Es gibt jedoch etwas, das einen Besuch in Dursztyn auf dem Weg von Krakau in die Tatra lohnenswert macht. Es ist die Wichrówka. Eine Holzwilla, die am Rande des Dorfes praktisch außerhalb seiner Grenzen liegt.
Als der krakauer Notar Bogusław Pajor von einem Haus in den Bergen träumte und ein Grundstück in Dursztyn auf dem Gipfel des Hügels Honaj kaufte, hatte er nur Wälder und Felder um sich herum. Er war schnell von diesem Ort fasziniert und baute 1935 eine Villa im Podhale-Stil, von deren Veranda aus man die Panorama der Tatra bewundern konnte. Den Eigentümern war es jedoch nicht vergönnt, lange Freude an ihrem neuen Zuhause zu haben. Der Ausbruch des Krieges führte dazu, dass Dursztyn und mit ihm Wichrówka die administrative Zugehörigkeit zu Polen verlor. Die Villa spielte jedoch eine wichtige Rolle in der polnischen Geschichte. Sie war eines der Kurier- und Umschlagzentren während des Zweiten Weltkriegs. Hier trafen sich die Kurier, die Nachrichten aus dem besetzten Polen in den Westen transportierten (nicht ausgeschlossen, dass hier Jan Karski war), und im letzten Jahr versteckte sich dort eine jüdische Familie.
Heute ist die Villa ein Exerzitienhaus. Sie kann nicht besichtigt werden. Es lohnt sich jedoch, dorthin zu gelangen, um das Gebäude zumindest von außen zu sehen und vor allem das Panorama der Tatra, Beskiden und Pieniny zu bewundern, die den Bauherrn der Villa so begeistert haben. Es ist einfach beeindruckend. Man kann den Gipfel des Hügels mit dem Auto erreichen, aber es lohnt sich, mit dem Fahrrad zu fahren und den „Weg rund um die Tatra“ zu nehmen, eine 250 Kilometer lange historische, kulturelle und natürliche Schleife rund um eines der bekanntesten polnischen Gebirgsmassive.
Autorin des Textes - Bogusława Bandyk
Fotograf - Krzysztof Bandyk

