Börsen von Stettin
Wenn eine Stadt einen historischen Geruch haben kann, dann riecht Stettin zweifellos nach Fässern voller Fische. Man kann darüber diskutieren, ob dieser Geruch angenehm ist oder nicht; er zeugt jedoch unbestreitbar von der ehemaligen Macht dieser Stadt.
Um das zu verstehen, muss man in die Zeit des 12. Jahrhunderts zurückreisen, als in Lübeck die Hanse entstand, also ein Verband von Seekaufleuten. Seit 1278 gehörte auch Stettin zu diesem Verband. Ähnlich wie jede bedeutende Stadt hatte sie genau definiert, womit sie sich beschäftigt. Nach dem Sprichwort: „Stettin ist Fischhaus, Lübeck ein Kaufhaus, Köln ein Weinhaus, Danzig ist ein Kornhaus” – lebte Stettin von Fischen. Dank der Zugehörigkeit zur Hanse war es möglich, Fischbestände in der Nordhälfte der Ostsee zu fangen, besonders reich an Heringen. Die Fische gelangten auf den Stettiner Fischmarkt, und damit wurde bis zum Zweiten Weltkrieg gehandelt.
Heute ist es schwierig, frische Heringe in Stettin zu finden. Man kann jedoch einen aus Bronze sehen und sogar berühren. In der Seglerallee steht nämlich ein Denkmal, das an die Traditionen der Stadt erinnert. Fünf aus Bronze gegossene Fässer, von denen eines offen ist und seinen Inhalt präsentiert, sind ein Werk von Michał Batkiewicz. Die Fässer wurden im Mai 2019 an der Uferpromenade aufgestellt, als in der Stadt ein Treffen von Vertretern der maritimen Branche – Herring 2019 – stattfand. So kehrte Stettin – symbolisch – zu seinen Wurzeln zurück, und auf der touristischen Landkarte der Stadt erschien ein weiterer interessanter Ort.
Autorin der Fotos und des Textes - Bogusława Bandyk

