Sejny
Marycha an der Grenze – also multikulturelle Sejny
Wer schon in Sejny war, weiß es bereits; wer noch nicht dort war – sollte wissen, dass man dort Marychę treffen kann. Manchmal ist es schwierig, sie zu bemerken – sie bewegt sich schüchtern und versucht, sich vor neugierigen Blicken zu verstecken. Aber sobald es nur etwas stärker regnet, macht sie sofort auf sich aufmerksam. Denn Marycha ist der Fluss, der durch Sejny fließt. Und welche weiteren touristischen Attraktionen erwarten die Entdecker der Suwalki-Region?
Vor allem die im ganzen Land bekannte Basilika der visitation der Heiligen Jungfrau Maria. Es handelt sich um eine ehemalige Dominikanerkirche aus dem frühen 17. Jahrhundert, die im Stil des Wilnaer Barocks erbaut wurde. Es ist eine von zwei solchen Kirchen auf polnischem Staatsgebiet. Wie es sich für ein barockes Bauwerk gehört, ist sie schön verziert und beeindruckt mit ihrer Ausstattung. Das wertvollste Element ist jedoch die gotische Schrankfigur, die die Muttergottes mit dem Kind in Form eines Triptychons darstellt. Unauffällig und beinahe unsichtbar vor dem Goldschmuck der Kirche, stellt sie ein Kultobjekt und ein Ziel für Pilger aus dem Inland und dem Ausland dar.
Auch das angrenzende Klosterensemble der Dominikaner verdient Beachtung. Das Bauwerk erinnert eher an eine befestigte Festung, dank der runden Ecktürme, die mit Helmen gekrönt sind. Man sollte sich jedoch nicht von den Schein täuschen lassen – die Innenräume dienten einst den Mönchen. Heute befindet sich in dem Gebäude das Museum der Diözese Sejny. Es entsteht dort auch ein ethnografisches Museum, das die kulturellen Reichtümer der Region präsentieren soll.
Über seine polnisch-litauische Geschichte kann man im in der Nähe gelegenen Museum der Sejner Erde erfahren. Der Besuch seiner Sammlungen bereichert nicht nur das Wissen über die Region, sondern weckt auch das Interesse. Unter den Exponaten befinden sich zahlreiche Judaika – Erinnerungsstücke an die einst zahlreiche jüdische Gemeinde in Sejny. Auch die Weiße Synagoge erinnert daran – einst ein Ort des Gebets, heute eine Kultureinrichtung, die von der Stiftung Pogranicze verwaltet wird. Denn Sejny ist eine Grenze – der Kulturen, Nationen und Künste.
Autorin der Fotos und des Textes - Bogusława Bandyk







